Vitamin B12 im Bier – Was soll das?

Als ich hier letztens einmal gefragt habe: „Laktose im Bier – was soll das?“ ging es mir darum, zu fragen, weshalb so etwas überhaupt nötig ist. (Achtung Spoiler: Ist es gar nicht.) Diesmal frage ich mich allerdings viel mehr, ob das überhaupt stimmt, dass Bier Vitamin B12 enthält und falls ja, in welchen Mengen. Denn ich befürchte ehrlich gesagt, dass es sich dabei lediglich um einen Promo-Gag handelt. Aber ich recherchiere ja gerne und das Thema ist wirklich gar nicht mal so uninteressant.

Ist Vitamin B12 im Bier ein neuer Trend?

Ich habe in diesem Blog schon über die Trends „alkoholfrei“ und „vegan“ berichtet. Beide sind richtig grosse Trends, die tagtäglich weiterwachsen und, die man unbedingt im Auge behalten sollte, wenn man, so wie wir, immer am Puls der Zeit bleiben und nicht eines Tages untergehen will. Zudem ist es toll zu sehen, dass die Leute auch beim Bier immer mehr auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten. Neulich lief ein Beitrag im Fernsehen zum Thema B12-Mangel und da wurde ich doch tatsächlich etwas hellhörig. Was ich bis anhin über B12 wusste, war folgendes: Dieses Vitamin stammt aus dem Boden und wurde bis vor kurzem von den Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen. Seit die Böden allerdings so verdichtet, übersäuert, überdüngt und vergiftet sind, findet dieser natürliche Prozess so gut wie nicht mehr statt. Um einem Mangel an B12 vorzubeugen, sollte es deshalb supplementiert werden. Bei Menschen, die Fleisch essen, passiert das über die Tiere. Zwar ist kein Tier in der Lage B12 selbst herzustellen, aber da gibt es ja eine einfache Lösung: Man mischt es einfach in ausreichender Menge dem Tierfutter bei. Nach dem Verzehr wird es vom Tier in Leber, Niere und Muskeln abgelagert und darüber gelangt es dann wiederum in die Nahrungskette des Menschen. Veganer*innen supplementieren es über Tabletten, Kapseln oder als Pulver. Was also war für mich neu in diesem Beitrag? Es wurde über Leute mit B12-Mangel berichtet, die sehr wohl Fleisch assen, sich aber anscheinend zu wenig ausgewogen ernährten. In diesem Zusammenhang wurden Lebensmittel die viel B12 enthalten aufgezählt. Beispielsweise Rinds- und Kalbsleber, sowie Niere, aber auch diverse Fische, Austern, Algen etc. Für mich war vor allem interessant, dass bei dieser Aufzählung eben auch Bier genannt wurde.

Bieretiketten, die sich wie Gesundheitsdrinks lesen

Gut, dass Bier in Massen genossen gesund sein kann, wird immer wieder mal propagiert, vor allem natürlich, wenn es alkoholfrei ist. (Alkoholismus kann übrigens ebenfalls ein Auslöser für einen B12-Mangel sein, dies aber nur am Rande.) Wenn man das „Erdinger alkoholfrei“ vor sich stehen hat, liest sich das Etikett, wie bei einem Gesundheits-Drink: „Isotonisch. Vitaminhaltig. Kalorienreduziert.“ Okay, das stimmt natürlich alles. Aber welche Vitamine? B12? Und wenn ja warum? Ich schmeisse mal schnell die Suchmaschine meines Vertrauens an, suche nach „Bier+B12“ und nach zwei Werbungen für Hersteller, bei denen man Präparate kaufen kann, folgt im ersten Treffer gleich folgendes zu den Vitaminen im Bier: „… enthält das beliebte Getränk neben vielen Kohlenhydraten und Proteinen zahlreiche Mineralstoffe […] sowie verschiedene Vitamine.“ Und weiter: „Vor allem die B-Vitamine sind dabei zahlreich vertreten.“ Explizit erwähnt wird allerdings lediglich B1 und B6. Weiter heisst es: „Besonders das Hefe-Weizenbier besitzt viele dieser Vitamine und ist, in Massen genossen, besonders für Männer gut. Schliesslich leiden diese besonders oft an Vitamin-B-Mangel und den damit zusammenhängenden Problemen.“ (Haarausfall, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien und einiges mehr) Die Seite beschäftigt sich ausschliesslich mit Vitaminen und wirkt sehr seriös.

Weshalb Bier kein gutes Supplement für B12 ist

Der zweite Treffer meiner Suche ist „Gesundheitstipp.ch“, wirkt nicht minder seriös, und stellt die Frage: „Ist Bier eine sinnvolle Quelle für Vitamin B12?“ Also genau das, was ich eigentlich wissen will. Eine Frau schreibt: „Ich habe kürzlich alkoholfreies Bier gekauft…“ Aha. „…Auf einer 3,3-Deziliter-Flasche steht, dass sie 17 Prozent des täglichen Bedarfs an Vitamin B12 decke. Ist Bier ein sinnvoller Lieferant des Vitamins?“ Nun gut, die Antwort hätte sich die gute Dame eigentlich auch selbst ausrechnen können. Der Vollständigkeit halber sei sie hier trotzdem in Teilen wiedergegeben. Sie lautet: „Nein. Vitamin B12 kommt zwar in praktisch allen Biersorten vor. Sie müssten aber täglich fast zwei Liter Bier trinken, um genügend Vitamin B12 für einen Tag zu erhalten, das ist nicht sinnvoll – selbst, wenn sie alkoholfreies Bier trinken.“

Mein Fazit zum Thema Bier und B12

Erstens sollte in einem seriösen Fernsehmagazin schon etwas gründlicher recherchiert werden, bevor man solche Aussagen raushaut und zweitens ist es super, dass wir uns vermehrt damit auseinandersetzen, was wir konsumieren. Aber wenn wir zwischendurch mal Lust auf ein Bier verspüren, sollten wir uns nicht von irgendwelchen Schlagworten auf dem Etikett blenden lassen und nicht angestrengt überlegen, welches nun mehr oder weniger gesund sein könnte. Denn dann kann man es, meiner Meinung nach, nicht mehr richtig geniessen und genau das ist es doch, was ein Bier ausmachen sollte. Oder kurz gesagt, der Genuss sollte beim Bier an erster Stelle stehen.

Und mit diesem Fazit ein grosses Prost, denn ich werde mich nun voll und ganz dem Genuss meines Feierabendbieres hingeben.

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Ralf Stamm

Ralf arbeitet seit mehr als zehn Jahren bei Drinks of the World, ist diplomierter Biersommelier, und ist mitverantwortlich für das Schulungsprogramm und die Vermittlung von Bierfachwissen an unsere Mitarbeiter. Kurz, Ralf ist einer unserer Köpfe, die aus Fachleuten Bierexperten machen.

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