Samuel Adams Utopias – Das wohl exklusivste Bier der Welt

Es ist schon faszinierend, was es alles an tollen, speziellen und ausgefallenen Bieren gibt. Gerade letztens habe ich über die stärksten Biere der Welt geschrieben; auch das Westvleteren 12 habe ich hier schon vorgestellt und bereits möchte ich wieder ein extrem aussergewöhnliches Bier vorstellen. Das „Utopias“ von Samuel Adams.

Utopias? Nur vom Hörensagen

Wann ich zum ersten Mal von diesem Bier gehört habe, weiss ich gar nicht mehr. Ich habe mich jedenfalls nicht richtig damit beschäftigt. Wenn man hört, oder liest, ich weiss es wirklich nicht mehr, es wäre das teuerste Bier der Welt, oder das seltenste, das regelmässig erhältlich ist, dann schreckt das eigentlich eher ab. Mir jedenfalls ging es immer so. Ich dachte, dass ich mir das eh nicht leisten will, da es wahrscheinlich künstlich teuer und selten gehalten wird, um einen Mythos zu hypen, etc. – jedenfalls verspürte ich nicht das Bedürfnis, es sofort kaufen zu müssen und irgendwann vergass ich es wieder. 

Irgendwann später, ich war gerade in Doemens am Kurs zum Diplom-Biersommelier, wurde mir dieses Bier wieder ins Gedächtnis gerufen. Allerdings nicht von einem Referenten, sondern von einem anderen Kursteilnehmer, der die Bestückung seines Bierkellers ausführlich zum Besten gab.

Da fehlt eine Perle in meinem Keller

„Brewdog Tactical Nuclear Penguin“ „Ja klar. Habe ich auch.“ „Und natürlich End of History“ „Ja, natürlich.“ „Und Westvleteren 12. Das gehört ja in jeden Keller.“ „ja klar, bekommt man in Belgien ja auch recht einfach.“ „ja, ja und natürlich das Utopias.“  Nun war endlich mein Interesse geweckt. Ich antwortete so etwas wie: „Hmmm… ich habe ja gehört, das wäre ziemlich überbewertet.“ Der Kollege war entsetzt und schwärmte mir vor, wie gut das wäre, ein Eisbock halt. Sensationell. Und, dass man sich das in seinem Restaurant bestellen könne, nach dem Essen, statt einem Cognac oder Whiskey. Es würde halt Fr. 25.- kosten pro 50cl. aber es würden schon immer wieder mal Gäste dieses Angebot zu schätzen wissen. (Den genannten Preis habe ich natürlich nicht mehr im Kopf, habe das aber eben schnell überschlagen und wird schon in etwa hinkommen.) Ich fragte ihn also, wie er denn an dieses kostbare Teil gekommen sei und seine Antwort verblüffte mich: „Ganz normal beim Schweizer Vertrieb für Samuel Adams bestellt.“ 

Ein wertvoller Eisbock

Das überraschte mich nun doch etwas. Ich beschloss das zu testen und bestellte mir eines. Es stimmt ja schon: Mit so etwas in deinem Bierkeller, kannst du schon Eindruck schinden. Es funktionierte. Ein paar Tage später, hatte ich das Bier auf unserer nächsten Lieferung. Ich schlug vor, dass jede Filiale eines ins Sortiment aufnimmt, um in der Vitrine zu zeigen. Als Eisbock ist Das Utopias ja immerhin ewig haltbar und so ein Bier führt ja auch nicht jeder Bierladen im Sortiment. Gesagt getan. Und auch wenn wir es nur sporadisch verkaufen, gibt es doch immer wieder mal einen Bier-Nerd, der sich diesen Schatz selbst schenkt.

So, nun muss ich aber endlich mal erzählen, was dieses Bier überhaupt so besonders und vor allem so teuer macht – immerhin kostet die 7dl. Flasche Fr.290.–.

The Bosten Beer Company – Pioniere am Werk

Ganz kurz zur Brauerei: Die Boston Beer Company, die ihre Biere unter dem Label „Samuel Adams“ vertreibt, wurde 1985 von Jim Koch gegründet, der bis heute die noch immer unabhängige Brauerei führt. Die Marke Samuel Adams war wichtig für die Bewegung der Craft-Beer-Szene in den USA. Auch wenn sie mit einem Lagerbier begonnen haben, so schmeckte dies doch anders und deutlich feiner, als die ganzen Einheitsbiere, die von den grossen Konzernen auf den Markt geworfen wurden. Kurz darauf folgten andere Bierstiele und diese fanden schnell Verbreitung. Wie bei allen seriösen Craftbier-Brauereien stehen Qualität, Vielfalt und Experimentierfreude ganz oben auf ihrer Liste und mit dem Utopias vereinen sie all das und treiben es auf die Spitze.

Ein sehr aufwändiges Bier

Beim Utopias handelt es sich um einen Eisbock, der erstens aufwändig zu brauen ist und bei dem man immer viel Verlust hat. Zweitens wird dieses Bier nur alle zwei Jahre abgefüllt, weil es mindestens so lange in verschiedenen Holzfässern, vorbelegt mit Whiskey, Rum, Cognac, Sherry oder was weiss ich noch alles vor sich hin reift. Drittens wird das Bier aus verschiedenen Varianten geblendet, was erneut einen grossen Arbeitsaufwand darstellt. Die Version von 2017 beinhaltete zum Beispiel einen Teil, der sage und schreibe 24 Jahre im Fass lag. Das Bier schmeckt so natürlich mit jedem Jahrgang anders. Anders lecker natürlich, also wirklich unglaublich lecker, einfach, damit das an dieser Stelle auch einmal erwähnt sei. Auf Ratebeer.com gehört es zu den wenigen auserwählten Bieren, die mit einer glatten 100 / 100 Bewertung aufwarten können. Eingebraut wird es mit Münchner und Caramel-Malz, sowie um die Malzsüsse auszubalancieren mit drei klassischen deutschen Bitterhopfen: Spalter, Hallertauer Mittelfrüh und Tettnanger. Zum Vergären werden verschiedene Hefestämme eingesetzt; unter anderem eine Champagnerhefe. Ich könnte hier noch seitenweise weiter lobhudeln, aber das bringt alles nichts. Man muss es einfach mal probiert haben. Wenn man kein Bier erwartet, sondern eher so etwas wie einen richtig guten, richtig alten Portwein zum Beispiel (ich habe noch gar nicht erwähnt, dass es glatte 28% Alkoholvolumen hat) dann ist das ein absolut perfektes Genussbier. Gerade in den kälteren Tagen, vor dem Kamin… perfekt!

Für den speziellsten der speziellen Momente

Und wer nun denkt, ich schliesse hier damit, dass ich nun in meinen Bierkeller runtersteigen werde und mir ein Schluck Utopias genehmigen werde, der irrt ganz gewaltig. So etwas hebt man sich natürlich schon für ganz spezielle Momente auf…

Deshalb stosse ich jetzt mit einem Bier für “Normalsterbliche” auf ein Bier der besonderen Klasse an – auf das Utopias.

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Ralf Stamm

Ralf arbeitet seit mehr als zehn Jahren bei Drinks of the World, ist diplomierter Biersommelier, und ist mitverantwortlich für das Schulungsprogramm und die Vermittlung von Bierfachwissen an unsere Mitarbeiter. Kurz, Ralf ist einer unserer Köpfe, die aus Fachleuten Bierexperten machen.

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