Off Topic: Kolumne aus dem Home-Office

Zugegeben, der Titel ist zur Hälfte geschummelt, ich schreibe nämlich jeden Blog-Artikel aus dem Home-Office. Was hingegen stimmt, ist, dass dieser Beitrag Off Topic ist, da es eigentlich nicht primär um Craftbier geht, sondern das Thema nur peripher streift. Und wer jetzt vermutet, es soll hier um die Corona-Krise gehen, ist auf dem komplett falschen Dampfer und darf ruhig weiterlesen. Auch dieses Thema erscheint in diesem Text nur nebenher, oder im Hintergrund sozusagen. Über dieses ernste Thema informierts du dich ja hoffentlich nicht über irgendwelche Blogs, Facebookseiten oder über andere komischen Stellen im Netz. Darüber informierts du dich hoffentlich nur bei seriösen Quellen. Davon gibt es genug. So, damit wäre es auch schon genug von mir dazu. Kommen wir zum eigentlichen Thema:

Titel: Warum es nicht lustig ist, dass wir momentan dreimal so viel Corona Bier verkaufen, wie üblich. Untertitel: Achtung Spoiler – Es hat nichts damit zu tun, dass ich schwarzen Humor nicht mag.

Etwas schwarzer Humor kann nicht schaden

Wirklich, ich mag schwarzen Humor sogar sehr gerne. Ich bin mit Monty Python aufgewachsen und kann heute noch darüber lachen, wenn ein Ritter einem anderen Arme und Beine abhackt und dieser, aus dessen Stümpfen Blutfontänen schiessen, behauptet, es wären nur Kratzer. Oder auch sehr schön: „Very bad Things“. Ein Film von Peter Berg mit Cameron Diaz und Christian Slater. Eine tiefschwarze Komödie, die alle sehen sollten, die auf schwarzen Humor stehen – aber ich schweife ab.  (Wobei ich genau deswegen schon immer mal eine Off Topic-Kolumne machen wollte, weil man da so schön abschweifen kann; egal.) Weshalb finde ich es denn nun wirklich nicht lustig, dass wir so viel Corona verkaufen? Dafür gibt es für mich persönlich vier Gründe:

Grund 1 – Humor ja, aber nicht über COVID-19

In den Laden zu kommen, sich ein Corona schnappen, und zu sagen „Ich will Corona“ oder, als Gruppenanführer sich ein Six-Pack krallen und „Eine Runde Corona für alle“ zu schreien, ist halt einfach mal falsch, da der Virus zwar Corona Virus heisst, die Krankheit allerdings COVID-19. Wobei das 19 für die Jahreszahl steht und das COVID für COronaVIrusDisease also Corona-Virus-Erkrankung. Aber das ist natürlich bloss Klugschwätzerei. Kommen wir zum wichtigsten Punkt:

Grund 2 – Einmal lustig, aber nicht immer wieder

Es ist halt einfach recht schnell nicht mehr lustig. Eigentlich schon nach zwei, drei Tagen, spätestens aber nach zwei Wochen nervt es nur noch. Mir ist unverständlich, weshalb man heute noch glauben kann, man wäre der Erste, der da draufkommt. Das ist wie diese postpubertären Jungs, die auf die Frage, ob sie einen Sack brauchen, sich in den Schritt fassen und meinen, nein, sie hätten schon einen. Brüller. In Deutschland ist der übrigens noch einen Tick lustiger: „Willst du ´ne Tüte?“ „Nein danke, wenn ich jetzt auch noch kiffe, bin ich total hinüber.“ 😀 Aber für die Verkäufer*innen ist der wahrscheinlich auch nicht mehr so lustig, wie für euch jetzt (falls ihr den nicht schon kanntet…). Und wieder schweife ich ab.

Grund 3 – Ich bekomme einen Ohrwurm

Eben weil es nicht mehr lustig ist, bekomme ich immer einen Ohrwurm. Nämlich von the Smiths „That Joke isn’t funny anymore“ auch wenn der Song selbst gar nicht mal so ohrwurmig ist. Ich liebe einfach the Smiths. So Film- und Musiktipp in einem einzigen Craftbier-Artikel. Wo bitteschön gibt es denn sowas? Aber nun kommt endlich die versprochene Streifung des Craftbier-Themas.

Schade, du hast was verpasst

Was ich an dem Ganzen einfach schade finde ist, dass diese Leute, hätten sie sich diesen Scherz geschenkt, sich ein anderes, ein interessanteres Bier hätten gönnen können. Eines das sie nicht bereits kennen. Mal was Neues ausprobieren und vielleicht einen neuen Favoriten entdecken kann ja bekanntlich nicht schaden. Ein Bier aus einer kleinen schweizerischen Brauerei zum Beispiel, die es bestimmt nötiger hätte unterstützt zu werden, als ein Multimilliarden-Konzern wie AB InBev. Aber das wissen diese Jungs natürlich nicht, oder es interessiert sie zu wenig. Und Corona ist ja auch nicht schlechtes Bier. (siehe „Ich breche eine Lanze für das Lagerbier“) Ich habe mich auch schon dabei ertappt, wie ich in den Sommerferien an so einer Flasche nuckelte. Mit einem Limonen-Schnitz ist das ja auch wirklich erfrischend. Aber eben…

Unterstützt lokale Brauereien

Also: Zum Schluss nochmals der ernstgemeinte Aufruf: Unterstützt bitte die kleinen Lokalbrauereien. Die können es wirklich sehr gebrauchen, jetzt wo ihnen der ganze Umsatz in der Gastronomie weggebrochen ist. Trinkt lokales Bier. Trinkt Bier von kleinen Brauereien. Probiert die verschiedenen Bierstile durch und wenn ihr auf Sachen wie imperial Stouts steht, oder auf Barley Wines, generell auf Sachen mit über 6,5% Alkoholvolumen, dann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um sich ein bisschen was auf Reserve für den Bierkeller zu kaufen. Oder sich endlich mal einen anzulegen.

Und ich gehe da mit gutem Beispiel voran. Und jetzt hole ich mir etwas Feines aus dem Keller und schaffe damit wieder Platz für eine neue Flasche.

Bleibt gesund.

Prost.

Bitte folge und mag uns:
0 0 vote
Article Rating

Ralf Stamm

Ralf arbeitet seit mehr als zehn Jahren bei Drinks of the World, ist diplomierter Biersommelier, und ist mitverantwortlich für das Schulungsprogramm und die Vermittlung von Bierfachwissen an unsere Mitarbeiter. Kurz, Ralf ist einer unserer Köpfe, die aus Fachleuten Bierexperten machen.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x