Laudatio auf den Bierdeckel

Dieser Blog-Beitrag schwirrt mir schon seit geraumer Zeit immer mal wieder durch den Kopf. Ich wollte eigentlich schon lange eine Laudatio auf den Bierdeckel schreiben. Und zwar nicht auf die wertvollen oder seltenen Sammlerstücke, sondern auf die, welche im Multi-Pack gekauft und, wenn feucht, achtlos weggeworfen werden. Also auf die Dinger, welche normalerweise fast verdeckt unter meinem Lieblingsthema, dem Bier, liegen. Nun ist die Frage, was an einem Bierdeckel denn so speziell ist, sicher berechtigt. Aber, ins rechte Licht gerückt, wird schnell klar, dass ohne Bierdeckel viele bahnbrechende Ideen, kreative Einfälle und Erfindungen nie Wirklichkeit geworden, sondern in Vergessenheit geraten wären.

 Bierdeckel-Ideen können Gold wert sein

Denn üblicherweise kommt mitten im Gespräch die zündende Idee und die muss sofort aufgeschrieben werden. Die Anzahl an bahnbrechenden Ideen, welche ihren Anfang auf einem Bierdeckel hatten, ist Legion. Eines der wohl bekanntesten Beispiele ist sicher die Geschäftsidee für «Virgin Blue» (heute Virgin Australia Airlines), eine australische Billig-Airlines. Diese milliardenschwere Geschäftsidee ist buchstäblich auf einigen Bierdeckeln entstanden. Aber es muss gar nicht immer so dramatisch sein, auch unendliche viele «kleinere» Ideen und Einfälle wurden Dank dem Bierdeckel vor dem Vergessen bewahrt.

Die Sache mit dem Dreiviertel-Glas

Eigentlich fängt es immer gleich und recht trivial an, nämlich mit dem Erhalt des bestellten Bieres. Dabei wird das Ritual des Servierens immer nach dem gleichen Muster vollzogen: Bierdeckel auf den Tisch und sofort das Glas drauf, als ob man den kleinen Pappteller möglichst schnell aus dem Blickfeld des Gastes verschwinden lassen möchte. Aber vielleicht ist das ja ganz gut so, denn der Bierdeckel wird seinen Auftritt erst dann haben, wenn das Glas zu drei Vierteln geleert ist. Ich nenne diesen Moment «das Dreiviertel-Glas».

Die ersten paar Schlucke geniesst man, oder will den Durst löschen. Egal, wie auch immer… Auf alle Fälle ist das Glas recht zügig zu drei Vierteln leer. Mit dem Dreiviertel-Glas ist der Moment gekommen, wo wir anfangen, uns zu entspannen. Zeit für etwas tiefere Gespräche, Diskussionen oder, um den Gedanken freien Lauf zu lassen. Schön entspannt fangen wir nun an, kreativ zu werden und… plötzlich ist sie da – die Idee, auf die wir doch schon so lange gewartet haben.

Doch während unser Blick-Fokus bei einem vollen Glas im oberen Drittel des Glases liegt, konzentrieren wir uns beim Dreiviertel-Glas auf den Teil, wo noch Bier drin ist. Und damit rückt plötzlich auch der Bierdeckel in unser Blickfeld. Bierdeckel im Visier, Idee geboren und damit nimmt eine weitere Bierdeckel-Idee ihren Anfang.

 In der Kürze liegt die Würze

Der Haken an der Bierdeckel-Idee ist jedoch, dass er sehr wenig Platz bietet und uns zwingt, eine Idee so kurz und so präzise wie möglich zu skizzieren. An dem Sprichwort «Eine gute Idee hat auf einem Bierdeckel Platz» ist schon was dran. Der Bierdeckel rettet deshalb nicht nur Ideen vor dem Vergessen, sondern macht sie auch noch grossartig.

Bierdeckel sind das ideale Spielzeug

Aber auch als Spielzeug ist der Bierdeckel Gold wert. Wer kennt den Moment nicht? Man sitzt an der Bar und wartet auf sein Date. Nervös, ungeduldig oder einfach nur gespannt auf das, was der Abend denn wohl bringen möge. Und wieder ist es das Dreiviertel-Glas, das den Bierdeckel in den Mittelpunkt rückt. Diesmal nicht um des Notierens Willen, sondern vielmehr, um die nervösen Finger zu beschäftigen. Bierdeckel sind die ideale Alternative zum Fingernägelkauen und sie lassen sich wohl auf unendlich viele Arten falzen, schälen, zerreissen und zerlegen. Einmal zerlegt kann man sie nun wieder zu kleinen Türmchen aufschichten, Muster bilden oder sie einfach auf dem Tisch rumschieben.

Aber ganz egal, was man mit dem Bierdeckel macht, er hilft, die Zeit zu überbrücken und eigentlich wird es nie langweilig. Und wer sich mit dem Zerlegen schwertut, der findet sicher unendlich viele Wege, die bedruckte Seite mit dem Kugelschreiber zu verzieren.

Für was wir den Bierdeckel auch immer benutzen. Eines ist sicher: Bierdeckel inspirieren und helfen uns auf eine gewisse Art und Weise unsere Kreativität auszuleben. Ob als Notiz-Matte, als Spielzeug oder als willkommener Zeitvertreib. Und damit ein grosses Prost auf das vielfältigste «Spielzeug» der Welt – auf den Bierdeckel.

Bitte folge und mag uns:

Eric Halter

Eric arbeitet seit nun schon fast neun Jahren für Drinks of the World. Als leidenschaftlicher Schreiberling juckt es ihn manchmal in den Fingern, einen Gast-Beitrag zum Thema Bier zu verfassen.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei