Flasche oder Dose – Was ist besser?

Diesen Blog will ich einer vielgestellten Frage widmen: Was ist besser? Bier in der Flasche oder Bier in der Dose? Diese Frage wird oft von Kunden gestellt und führt auch unter unseren Mitarbeitern teils zu «hitzigen» Debatten. Dabei muss ich gleich vorwegnehmen, dass es KEINE eindeutige Antwort gibt, da die Frage an sich bereits recht vielschichtig ist.

Das fängt ja eigentlich schon mit der Frage selber an, denn was ist mit «besser» gemeint? Besser für die Brauerei, besser für das Bier, besser für den Konsumenten oder besser für die Umwelt? Da es ja aber ein Blog werden soll, und kein Buch, mach ich es mir hier einfach. Ich bilde mal in etwa die Schnittmenge aus allen «besser für wen» und vergleiche die Vor- und Nachteile zwischen Flasche und Dose. Und wenn ich schon in die Mengenlehre abgerutscht bin, dann kann auch etwas Geschichte nicht schaden. Hier kurz zur Entstehungsgeschichte der beiden Gebinde.

Werdegang der Flasche

Bier in Glasflaschen kam bereits im 17. Jahrhundert in England auf und hat sich mittlerweile zum häufigsten Behältnis für Bier entwickelt. Das Problem mit dem Druck durch die Kohlensäure und explodierenden Flaschen wurde schon sehr bald gelöst. Traditionelle Korken wurden durch Kronkorken ersetzt und mit der industriellen Revolution wurden Kronkorken dann im 20. Jahrhundert definitiv Mainstream.

Kurzfassung der Dosen-Geschichte

Die Aluminium-Dose kam zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg auf und wurde wegen ihrer Leichtigkeit und die dadurch entstandene Transportfähigkeit gut angenommen. Ursprünglich brauchte man zwar noch einen speziellen Öffner für diese Dosen, aber auch diese Herausforderung wurde Schritt für Schritt bewältigt. Nachdem das Problem des Öffnens aus der Welt geschafft war, stieg die Anzahl der Dosenbier-Trinker nochmals markant an. Heute werden die Dosen von der Craft-Bier-Szene wiederentdeckt.

Jetzt aber zur Sache: Was sind die Vor- und Nachteile der beiden Gebinde?

Die Vorteile von Bier in Flaschen

Flaschen sind für die Brauerei einfach abzufüllen und können leicht in Mehrweg-Harasse verpackt werden.

Braunes Glas absorbiert 98% der Wellenlängen des Lichtes, die dem Bier schaden könnten. Mittlerweile kommen praktisch alle wirklich guten Biere in braunen Flaschen daher.

Flaschen eignen sich perfekt, um noch einen kleinen Schuss Hefe hinzuzufügen und somit eine Flaschengärung in Gang zu setzen. Damit bleibt der Biergeschmack für lange Zeit erhalten und verbessert sich sogar noch über die Jahre hinweg.

Das Recycling von Flaschen ist sehr einfach und nahezu weltweit finden sich Eimer und Container dafür.

Die Nachteile von Bier in Flaschen

Flaschenbiere bleiben zwar länger kühl, aber es dauert im Gegensatz zur Dose schon ziemlich lange, bis sie einmal kalt sind.

Flaschenbiere sind schwerer als Dosen und verteuern deshalb die Transportkosten. Das Gewicht macht sich auch bei uns im Laden bemerkbar. Während es ein Klacks ist, ein paar Dosen vom Lager zu holen, sieht es bei vollen Bierflaschen dann nicht mehr ganz so toll aus.

Trinkt man Bier direkt aus der Flasche, dann schmeckt es lange nicht so gut, wie aus einem Glas. Bei Dosen ist der Unterschied geringer. Für den «kleinen Durst unterwegs» eignen sich deshalb Flaschen nicht besonders, ausser man schleppt auch noch ein Glas mit sich rum.

Die Vorteile von Bier in Dosen

Dosen sind einfacher zu öffnen als Flaschen und das Bier schmeckt auch direkt aus der Dose nicht schlecht. Meine Regel lautet deshalb: Dosenbier ist das bessere „Unterwegs-Bier“.

Dosen sind absolut lichtundurchlässig. Deshalb kann das Bier auch keinen Schaden durch Licht nehmen.

Dank dem geringeren Gewicht verringern sich die Transportkosten der Brauerei. Zusätzlich ist das geringe Gewicht auch kundenfreundlich, da man sich auch bei grösseren Mengen nicht gleich einen Bruch holt.

Bierdosen sind in der Regel aus Aluminium, was sehr einfach entsorgt und wiederverwertet werden kann.

Die Nachteile von Bier in Dosen

Dosenbier ist zwar schneller gekühlt, es wird aber auch viel schneller wieder warm.

Auch wenn es NICHT stimmt, Dosenbier hat immer noch den Ruf von „Billig-Bier“ und wer viel auf sein Image hält, der schielt dann sehr schnell, zu Unrecht, zum Flaschenbier.

Wenn direkt aus der Dose getrunken wird und man die Lippen am Alu hat, entsteht der Eindruck, dass das Bier „blechelt“.

Für die Herstellung von Alu-Dosen werden grosse Mengen an Rohstoffen und Energie benötigt. Bei Themen wie «Regenwälder abholzen», «Luftverschmutzung» oder «Hitzewellen» ist der Gedanke, ob es denn wirklich eine Alu-Dose sein muss, ein Gedanke wert.

Was besser ist, entscheidest Du

So, meine Pro- und Contra-Liste steht. Nun, ob Bier aus Flaschen oder Dosen «besser» ist entscheidest am Ende Du selbst. Aber, wenn Deine Wahl auf Flaschen fällt, dann ist vom ökologischen Standpunkt Bier aus der Mehrwegflasche sicher besser als die Einweg-Version.

Aber ob nun Flasche oder Dose, Bier ist Genuss und die Wahl des «besseren» Gebindes sollte dem Genuss weder im Weg stehen noch ihn beeinträchtigen. Geniesse Dein Bier!

Hier noch ein Tipp für alle Unentschlossenen, die sich trotz der Pro- und Contra-Liste schwertun: Werft eine Münze. Ich mach jetzt einen Griff in den Kühlschrank und schnapp mir ein Bier. Flasche? Dose? Tja, meine Wahl behalte ich für mich und lass Dich raten.

Prost!

Bitte folge und mag uns:

Ralf Stamm

Ralf arbeitet seit mehr als zehn Jahren bei Drinks of the World, ist diplomierter Biersommelier, und ist mitverantwortlich für das Schulungsprogramm und die Vermittlung von Bierfachwissen an unsere Mitarbeiter. Kurz, Ralf ist einer unserer Köpfe, die aus Fachleuten Bierexperten machen.

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