Craftbier-Schnäppchen

Hand aufs Herz: Ich habe lange überlegt, ob ich davon erzählen soll, denn immerhin schmälert es meine Erfolgsaussichten künftig auf Ricardo Craftbier-Schnäppchen zu erstehen. Wenn alle anderen auch suchen, dann wird mir womöglich das Beste weggeschnappt. Aber egal, Kundenservice ist unser oberstes Gebot und deshalb teile ich jetzt einfach mal diesen Insider-Tipp mit Dir.

Nach raren Bieren zu stöbern ist für mich wie Lädele

Ich selbst bin ja, ehrlich gesagt, recht selten auf Ricardo oder ähnlichen Plattformen unterwegs. Ich kaufe Dinge meistens nur, wenn ich sie brauche, beziehungsweise wirklich will, und dann habe ich schon eine ziemlich klare Vorstellung im Kopf. Soll heissen, ich will genau das, was ich mir vorstelle und sehe dann nach, wo es dies gibt. Bei Bier ist das allerdings ein wenig anders. Da ich in einem super Bierladen arbeite, komme ich natürlich an viele gute Biere ran, auch an speziellere. Gerne gehe ich aber auch mal in einen kleinen Craftbier-Laden oder in eine Craftbier-Bar und schaue mich dort um. Klingt zwar etwas altmodisch, aber nicht selten stolpert man über «Schätze» die den Rundgang wert sind. Abgesehen davon, halte ich ein Bier gerne in den Händen bevor ich es kaufe.

Versteigerungs-Plattformen bergen Schätze

Aber natürlich bestelle ich mir schon auch mal die eine oder andere Flasche im Internet. Nur, wenn man nach Bier im Netz stöbert, dann kommen einem als erstes die gängigen Seiten in den Sinn. Auf Versteigerungs-Plattformen, wie Ricardo, wird meist nicht gesucht, was eigentlich schade ist, denn die bieten manchmal wirkliche Überraschungen.

Mit diesen zwei Beispielen möchte ich Dir zeigen, dass sich die Suche auf Versteigerungs-Portalen wirklich lohnen kann. Bei zwei von zehn Besuchen wurde ich fündig, und wie, denn beide Bier sind absolute Raritäten. Und wenn man die dann auch noch zum Spottpreis bekommt, dann macht es das Ganze nur noch süsser.

Glückstreffer Nr. 1 – Das Samichlaus Bier von 1991

Das Samichlaus Bier ist Kult. Es wurde ursprünglich von der Brauerei Hürlimann in Zürich gebraut. Als diese dann 1997 von Feldschlösschen übernommen wurde, wollten die das Samichlaus Bier nicht mehr und es wurde an die auf Starkbiere spezialisierte österreichische Brauerei Schloss Eggenberg verkauft. Es handelt sich um einen 14%igen Barley Wine, der über 10 Monate gelagert wird, bevor er abgefüllt wird. Ein Bier, prädestiniert um es im Keller weiterreifen zu lassen. Als ich das Teil als einziger Bieter für einen Franken, plus sieben Franken Porto, ersteigert hatte, freute ich mich verständlicherweise wie ein kleines Kind und musste das natürlich direkt via Twitter der ganzen Welt verkünden. Keine Stunde später stand Toni, der Inhaber der „Erzbierschof“ Bar bei mir im Laden und fragte mich ganz aufgeregt, ob ich es denn schon hätte und ob ich wisse, dass man dieses Bier selbstverständlich noch trinken könne und es sehr wahrscheinlich sogar ganz ausgezeichnet schmecke. (Der Verkäufer meinte, dass es seit 20 Jahren abgelaufen sei und somit nicht mehr trinkbar.) „Ja, na klar“, meinte ich cool. Das Bier steht noch immer in meinem Bierkeller und wird regelmässig bewundert. Irgendwann, zu einem ganz speziellen Anlass, werde ich es aufmachen, mit Freunden teilen und jeden einzelnen Tropfen geniessen. – Hmmm… Vielleicht in zwei Jahren, zum 30. Geburtstag des Bieres. 😉

Glückstreffer Nr. 2 – Thomas Hardy’s Ales von 1986

Das Thomas Hardy’s Ale ist noch kultiger, als das Samichlaus und ältere Jahrgänge sind extrem rar. Dieses englische Bier hat eine sehr lange Tradition. 1968 kamen die in Eichenfässern gereiften Barley Wines zum ersten Mal in einer sehr kleinen Auflage auf den Markt. Bis 1999 war praktisch jedes Jahr ein neues Bier erhältlich, das natürlich auch immer wieder anders schmeckte. Dann wurde die Produktion leider eingestellt. 2003 übernahm eine neue Brauerei, die die alte Tradition weiterführte. Allerdings nur 5 Jahre, danach wurde 2008 die Produktion erneut eingestellt. Diesmal schien es endgültig. Denn mit nur einem Bier und zu einem Preis, der damals, bevor die Craftbier-Welle Europa erreichte, recht hoch war, liess sich wohl nur schwer Geld verdienen.

Ich erinnere mich noch gut: Wir führten dieses Bier damals schon im Sortiment. Es kostete erst Fr.7.70 dann Fr.8.80. Ich liebte dieses Bier, verstand aber alle, die nicht so viel für ein Bier ausgeben wollten, das sie nicht kannten. 2014 kehrte es endlich zurück. Eine neue Brauerei übernahm und braut seither diesen edlen Trunk nach altem Originalrezept. Die Flasche und die schöne Etikette werden noch immer beibehalten. Und jetzt gibt es sogar zwei verschiedene Versionen pro Jahrgang. Eine wahre Freude für jeden Bierfan.

Das mit dem Huhn und dem Korn stimmt.

Deshalb wurde ich schlagartig hellhörig, als mich an Weihnachten meine Frau auf dieses Angebot aufmerksam machte. Sie war, wie ich damals, als ich das Samichlaus entdeckte, aus Langeweile auf Ricardo, während ich mit unserem Besuch über Vintage-Bier fachsimpelte. Meine Frau interessiert sich übrigens für Bier genauso stark, wie ein Fisch für Fahrräder. Plötzlich fragte sie: „Kennst du Thomas Hardy’s Ale?“ „Na klar, wieso?“ „Da verkauft einer zwei Flaschen von 1986 ab 9 Franken. Er hat aber noch kein Gebot.“

Tja, und so kam es, dass auch diese beiden Flaschen direkt den Weg in meinen Bierkeller fanden und zwar für neun Franken plus sieben Franken Porto. Und ja, auch darüber freue ich mich wie ein kleines Kind.

So und nun steige ich mal in die Tiefen meines Bierkellers runter und genehmige mir zur Belohnung für diesen Artikel ein Samichlaus oder ein Thomas Hardy’s. Es muss ja nicht gleich eines der ältesten Jahrgänge sein.

Prost!

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